Auch Berlins Wahrzeichen Nr. 1 – der Fernsehturm – schreibt in diesem Jahr (Ex-) DDR-Geschichte. Mit seiner alles überragenden Spitze und der stattlichen Größe von 368 Metern ist er das höchste Bauwerk Deutschlands und der vierthöchste Fernsehturm Europas. Vor 50 Jahren – am 3. Oktober 1969 weihte Walter Ulbricht den Turm ein, der seit 1979 als Denkmal gilt. Am 3.10.2019 wird der Middle Ager mit einem großen Fest gefeiert werden.

Eva Brüggmann 1969_Bundesarchiv_Bild_183-H0813-0026-001

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Eigentlich sollte „Fernmeldeturm 32“ in den Müggelbergen gebaut werden und zum scharfen Senden des DDR-Fernsehens dienen. Als Zeichen der Stärke und Leistungsfähigkeit des sozialistischen Gesellschaftssystems wurde der 26000 Tonnen schwere Turm aber dann doch mitten rein in den heutigen Mitte-Kiez und nahe des Alexander Platzes gesetzt, zumal die Sendeanlage sonst in der Einflugschneise des geplanten Schönefelder Flughafens im Weg gestanden wäre. Sein Sendegebiet umfasst 20000 Quadratkilometer Berlin und Umland.

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Archivfoto Berliner Fernsehturm

Ein besonderes Markenzeichne ist seine Kugel: Die sollte nach Idee seines Erschaffers – des Architekten Hermann Henselmann, an die sowjetischen Sputnik-Satelliten erinnern und in Rot – der Farbe des Sozialismus – erstrahlen. Letzteres und auch die Idee des Präsidenten der Bauakademie, die Turmkugel zu vergolden, wurde aus Kostengründen abgelehnt. Stattdessen wurde die Kugel von Pyramiden aus rostfreiem Stahl (pssscht … Edelstahl aus Westdeutschland) ummantelt. Die über 1000 Pyramiden lassen die 3500 Quadratmeter Außenhaut wie einen Diamanten wirken.

Berlin_-_Berliner_Fernsehturm_-_Fensterreinigung

Sie birgt sieben Etagen und wiegt 4800 Tonnen. Die Kugel in 200 m Höhe zu montieren, war die eigentliche Herausforderung. Am Boden wurde zunächst das tragende Stahlgerüst der Kugel vorgefertigt. Mit Kränen hievte man die Segmente hinauf und befestigte diese an der ringförmigen Plattform, die den Abschluss des Betonschafts bildet. Der stramme Sockel bzw. der Turm selbst wurde mit der sogenannten Kletterbauweise konstruiert.
Der Bau dauerte ganze 53 Monate. Verbaut wurden 7 900 Kubikmeter Beton, 1 650 Tonnen Rundstahl, 300 Tonnen Spannstahl, 1 500 Tonnen Profilstahl. Heute ist in der Kugel mit ihrem Durchmesser von 32 Metern auch eine Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes untergebracht.

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300 Berliner Unternehmen waren an der Mission „Telespargel“ beteiligt (in der Tagschicht waren 60, in der Nachtschicht 30 Bauarbeiter beschäftigt). Die Kosten beliefen sich auf über 132 Millionen Mark. Nach der Wende und dem Abriss des Palasts der Republik forderten Systemgegner den Abriss des Fernsehturms. Aber er blieb und prägt als echtes Berliner Original die Silhouette der deutschen Hauptstadt. Ebenso wie das Brandenburger Tor ist er das Wahrzeichen des wiedervereinigten Deutschlands.

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Mehr als 1 Million Menschen besuchen den prominenten Hot-Spot-Turm jährlich. Neben Kölner Dom und Dresdner Frauenkirche gehört er zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Deutschlands.

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Das Restaurant „Tele-Café“ des Berliner Fernsehturms dreht sich auf 120 Rollen einmal pro Stunde im Uhrzeigersinn um 360 Grad

Kult ist auch das erst vor einigen Jahren umgebaute Restaurant mit einem Barbereich mit hauseigenen Cocktail-Kreationen, einem vielfältigen Getränkeangebot und kleinen Snacks auf 203 m über Berlin, das sich auf der dritten Ebene auf 207,53 Metern Höhe befindet. Das so genannt „Tele-Café“ dreht sich auf 120 Rollen einmal pro Stunde im Uhrzeigersinn um 360 Grad. Zu DDR-Zeiten war die Aufenthaltsdauer im Tele-Café auf 60, im Aussichtsgeschoss auf 30 Minuten begrenzt. Heute bleibt man so lange man will und räumt aus Rücksicht auf andere Telespargelgäste das Feld freiwillig. Aus Brandschutzgründen befindet sich die Küche übrigens am Fuß des Turms. Die Speisen werden mit dem Aufzug hochgeschickt. Sind warm und lecker. Es gibt Berliner und Brandenburger Küche und internationale und saisonalen Spezialitäten. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es von 9-11:30 Uhr ein großes Frühstücksbüfett.
Aber am beeindruckendsten ist natürlich der erhabene Blick über die Hauptstadt und das Gefühl in einer echten Berliner Kultstätte zu sitzen.

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Kult: Die Bar des Berliner Fernsehturms mit erhabenem Blick über die Stadt

Restaurant: https://tv-turm.de/de/bar-restaurant/
Tischreservierung (bis maximal 8 Personen) für das Restaurant hier oder mit mehr als 8 Personen hier. reservierung@tv-turm.de
Alle Infos zu Tickets und Preisen:
https://tv-turm.de/de/startseite/ und https://tv-turm.de/de/tickets-preise/

Öffnungszeiten

Berliner Fernsehturm Fotos Berliner Fernsehturm (1)
März bis Oktober von 9:00 bis 24:00 Uhr
November bis Februar ab 10:00 Uhr bis 24:00 Uhr
Letzte Auffahrt um 23:30 Uhr

Öffnungszeiten des Restaurants:
9:00 Uhr bis 24:00 Uhr
Küchenschluss um 22:30 Uhr
Öffnungszeiten der Bar:
9:00 Uhr bis 23:30 Uhr
An zwei Tagen ist der Turm für Wartungsarbeiten geschlossen:
Die nächsten Schließtage sind am: 04.11.2019 und 30.03.2020

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Text: Anke Sademann
Fotos: Berliner Fernsehturm

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