Schon was vor am Wochenende? Geht’s in den Club zum Ab-Dancen? Magst Du elektronische Soundwelten? Faszinieren Dich Berlins vibrierende Kultstätten? Bist Du Neuberliner oder ein Zeitzeuge der 90-er, immer noch schwer unterwegs oder bleibst Du mittlerweile lieber gemütlich zu Hause? Für jeden dieser „Fälle“ haben wir einen Berlin-kultigen Kulturtipp: Noch bis zum 30. November 2019 zeigt die C/O Berlin Foundation die Ausstellung „No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989–Today“.

Ausstellungsbesuch_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (1)

Heute Sammlerstücke: Stammgast-Clubmarken der Berliner Kultclubs Foto: Sademann

Die Ausstellung zeigt Werke von um die 25 Fotografen, die das „echte“ Berliner Clubleben mit all seinen Keimzellen auf Silberchlorid gebannt haben. Berliner Fotoinsider erkennen sofort Handschrift und Motive der Szenefotografen – darunter Wolfgang Tillmans, Ben de Biel, Camille Blake oder Sven Marquardt. Gleich am Eingang bleibt der eine oder andere Kundige an den Vitrinen mit den Stammgast-Clubmarken stehen und überlegt, welche davon er selbst noch in irgendeiner Schublade liegen hat. Manche beschleicht aber auch das Gefühl, dass heute viele Clubs nur noch ein Abklatsch der echten Hochzeit der 90-er sind. Zeitzeugen trauern Kultstätten wie dem Tresor, dem WMF oder Planet hinterher und denken wehmütig an die „Liebe, Freue, E-Kuchen“ – LOVEPARADEN der ersten Jahre.

Ausstellungsbesuch_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (4)

Die BesucherInnen der Ausstellung sind international – vom Club-Nostalgiker bis zum Tourist oder Neu-Berliner ist alles bunt gemixt vertreten Foto: Anke Sademann

Ein Mix aus internationalen Besuchern schiebt sich durch die Räume der C/O Foundation Berlin. Darunter auch Lena Szankay aus Buenos Aires, die selbst Fotografin ist und gerade als Dozentin für Fotokunst in Leipzig unterrichtet. Sie kennt nicht nur Werke und Fotografen, sondern erkennt als Zeitzeugin sogar Bekannte – Gäste wie DJs – auf den Bildern wieder. „Es war zum einen verboten in den Clubs zu fotografieren, aber vor allem war es uncool“, bemerkt die heute wieder in Argentinien residierende Künstlerin, die in den 90-ern über 20 Jahre lang in Berlin gelebt und damals selbst die allererste Galerie auf dem RAW-Gelände („Die Schautankstelle“) geleitet hatte. In Berlin ist sie nur noch zu Besuch. In den Clubs hat sie selbst damals nicht fotografiert. Eine Entzauberung der Locations wäre das gewesen. Als mitten in einer Clubnacht plötzlich Japaner zur „Fotosafari“ im Tresor auftauchten wurde ihr klar, dass gerade eine Ära im Begriff war zu Ende zu gehen.

Ausstellungsbesucherin_Zeitzeugin_Lena Szankay_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (6)

Wehmütig: Lena Szankay ist selbst Fotografin und Zeitzeugin der Berliner Clubkultur der 90-er Jahre Foto: Anke Sademann

Szankay erinnert sich wehmütig an ihr letztes Mal in der berühmten technoiden E-Pionierlocation, kurz bevor die ihre Pforten schloss – schliessen musste. Den Getränke-Jeton dieser Nacht habe sie wie ein Relikt aus alter Zeit aufbewahrt. Noch heute schaut sie sich immer wieder gerne ihr eigenen Reportage über die Love Parade an, die sie mehrfach in Berlin, deutschlandweit und auch in Argentinien ausgestellt hatte. Heute ist sie zu Gast bei „den Anderen“, diejenigen die das No-Photos-Gebot Gott sei Dank doch brachen, ihre Analogkameras aus der Hüfte zogen und den Fokus ins verschwitzte Ornament der Club-Masse richteten. Sehr spontan und fast voyeuristisch wirken die meisten Fotos.

No Photos Ausstellungsmotiv_C_O Berlin_Untiled 2012_Wolfgang Tillmans_

Untiled 2012_Wolfgang Tillmans

Das Vernebelte und Verschwitze zeigt sich in der Unschärfe des Halbdunklen. Andere Fotos zeigen gestochen scharf oder schreiend grell die von der Clubarchitektur eingerahmten Selbstinszenierungen – unbarmherzig schrill, aufgewühlt, wachchomatös, überdreht, ver-strahlt und angestrahlt … lebendig, echt, ohne Konventionen oder Tabus – im Rausch der Berliner Nächte.

o Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin__scan-131102-0008_web

Berlin Mitte, 1990 © Ben de Biel

 Ein Blick zurück ins Jahr 1989.

Kaum war die Mauer gefallen, eigneten sich junge Hausbesetzer*innen, Künstler*innen, Galerist*innen und DJs aus Ost und West die Stadt an. Leerstehende Gebäude, Fabriken und Flächen wurden mit neuem Leben gefüllt, überall entstanden Clubs, Bars, Galerien, Ateliers und Studios. Diese junge Club- und Kulturszene entwickelte sich zum Motor für die Wiederbelebung der Stadt und die Neuausrichtung einer ganzen Generation junger Kreativer. Die Berliner Szene ab 1989 hat Techno zwar nicht erfunden, dennoch lässt sich das, was auf Veranstaltungen wie Tekknozid und in Clubs wie dem Ufo, Tresor und Planet geschah, rückblickend als Urknall und Wegbereitung für die bislang letzte große europäische Jugendkultur beschreiben.

Kultikone Peaches - Neo Feminismus ohne Grenzen Foto: Martin Eberle

Kultikone Peaches – Maria, a.d.S. After Show / Neo Feminismus ohne Grenzen, 2004 © Martin Eberle

Mit visuellen Effekten und neuen künstlerischen Ansätzen bewegte sich das Berliner Clubleben im Grenzbereich zwischen Video, Film, Projektion und Musik. Diese Verbindung zur Kunst bot vielen aufstrebenden Künstler*innen viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit sowie neue Perspektiven und Räume für Austausch, Begegnung und gemeinsames Feiern jenseits von Alltag und Vernunft.

Ausstellung_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin__konfetti_nacht_web

o.T. a .d. S . Konfettinacht, 2007 © Carolin Saage

Um die Jahrtausendwende bekam die Berliner Clubszene neuen Aufschwung. Günstige europäische Flugverbindungen, zusammen mit einer neuen Generation von Clubs wie der Bar 25, Watergate und dem Berghain und nie enden wollenden Partys lockten Wochenende für Wochenende tausende von Technofans in die Hauptstadt. Künstler*innen, Partyveranstalter*innen und Labelbetreiber*innen aus der ganzen Welt zogen nach Berlin und gaben dem Sound der Stadt stetig neue Impulse – ein Prozess, der bis heute anhält. Doch allmählich werden die Freiräume weniger und die Party erscheint endlich.

outside_tresor_from_the_series_temporary_spaces_1996-c-martin_eberle_web

Tresor Außen, a.d.S. Temporary Spaces, 1996 © Martin Eberle

Mit dem Ausstellungsprojekt No Photos on the Dance Floor! Berlin 1989—Today wird die Berliner Clubszene seit dem Fall der Mauer einerseits historisch dokumentiert und andererseits „live“ erfahrbar gemacht. Die Ausstellung präsentiert tagsüber Fotografie, Video und Film sowie dokumentarisches Material und bietet so einen Einblick in die Entwicklung der Berliner Clubkultur der letzten 30 Jahre. Nachts wird ein Teil der Ausstellungsfläche bei C/O Berlin zum Club: Besucher*innen können auf einer Reihe von Partys mit bekannten DJs, Sound- und Visualkünstler*innen der damaligen und aktuellen Clubszene bei C/O Berlin die Nacht durchtanzen und das Erlebnis erneut zur Kunst machen.
Der Titel der Ausstellung No Photos on the Dance Floor! bezieht sich auf eine Berliner Besonderheit: Während in anderen Städten das Fotografieren fester Bestandteil der Ausgeh- und Nachtkultur ist, herrscht in den meisten Berliner Clubs striktes Bilderverbot. Das Nichtfotografieren hat hier vor allem zwei Gründe: Die Tänzer*innen sollen sich ungestört von Kameras in der Musik verlieren können und sich dabei frei und geschützt fühlen.

Ausstellungsbesuch_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (2)Ausstellungsbesuch_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (3)

Für mich ist ein Club eine große Abstraktionsmaschine, die ständig Bilder produziert. Die sind oft an der Grenze des Sichtbaren, wenn der Nebel kommt und man an die Decke schaut und die Lichter betrachtet. Da blitzen und schimmern ungreifbare Dinge auf.“ – Wolfgang Tillmans

Unser Ausstellungs-Tipp für Clubnostalgiker bis Neuberliner
NO PHOTOS ON THE DANCE FLOOR! Berlin 1989–Today findet statt in der
C/O Berlin Foundation . Amerika Haus . Hardenbergstraße 22–24

Alle Infos: www.co-berlin.org

Das E Werk spiegelt sich_Ausstellungsbesuch_No Photos on the Dancefloor_C-O-Berlin_Sademann (7)

Der verrammelte Eingang vom E-Werk – Besucher spiegeln und erinnern sich …

Übersicht der Fotografen: Tilman Brembs, Ben de Biel, Salvatore Di Gregorio, Martin Eberle, Matthias Fritsch Dan Halter, Honey-Suckle Company, Erez Israeli, Romuald Karmakar, Steffen Köhn & Phillip Kaminiak, Anna-Lena Krause, Tilmann Künzel, Sven Marquardt & Marcel Dettmann, Marco Microbi, George Nebieridze, Alva Noto, Daniel Pflumm, Mike Riemel CollectionCarolin Saage, Giovanna Silva, Wolfgang Tillmans, Lisa Wassmann und Michael Wesely.

Text: Anke Sademann / C/O Berlin Foundation
Header Foto: Peaches / Martin Eberle / Untitled Wolfgang Tillmans  v.li.
Fotos: C/O Berlin Foundation, Tillmans, Eberle, Sademann, siehe Credits

Die Ausstellung wurde kuratiert von Felix Hoffmann (Hauptkurator . C/O Berlin Foundation) und Heiko Hoffmann (Gastkurator).

Antworten

  1. Pingback: viagra online

  2. Pingback: cialis prices

  3. Pingback: printable cialis coupon

  4. Pingback: is cialis generic

  5. Pingback: viagra online

  6. Pingback: otc cialis

  7. Pingback: vardenafil online pharmacy

  8. Pingback: real casinos online no deposit

  9. Pingback: online casino real money usa

  10. Pingback: cash loans

  11. Pingback: personal loan

  12. Pingback: cash loans

  13. Pingback: viagra pills

  14. Pingback: cialis internet

  15. Pingback: new cialis

  16. Pingback: 20 cialis

  17. Pingback: cialis buy

  18. Pingback: generic cialis

  19. Pingback: casino slot

  20. Pingback: best real casino online

  21. Pingback: slot machine

  22. Pingback: casinos

  23. Pingback: sildenafil 20 mg

  24. Pingback: viagra buy

  25. Pingback: viagra dosage

  26. Pingback: buy cialis

  27. Pingback: casino games online

  28. Pingback: how to buy augmentin 250/125 mg

  29. Pingback: avapro 300mg pills

  30. Pingback: avodart 0,5 mg online pharmacy

  31. Pingback: bactrim 800/160mg pharmacy

  32. Pingback: cost of benicar 20mg

  33. Pingback: cost of Biaxin 500mg

  34. Pingback: order Premarin 0,625 mg

  35. Pingback: how to buy buspar 10mg

  36. Pingback: casodex canada

  37. Pingback: catapres cost

  38. Pingback: order ceclor

  39. Pingback: ceftin generic

  40. Pingback: celebrex online pharmacy

  41. Pingback: celexa without a doctor prescription

  42. Pingback: cephalexin cheap

  43. Pingback: cipro otc

  44. Pingback: claritin price

  45. Pingback: casino real money

  46. Pingback: best online casino real money

  47. Pingback: online casino real money

  48. Pingback: hollywood casino online

  49. Pingback: online slots

  50. Pingback: online casino

  51. Pingback: online casinos

  52. Pingback: online casino usa

  53. Pingback: casino online real money

  54. Pingback: golden nugget online casino

  55. Pingback: cheap car insurance quotes online

  56. Pingback: buy car insurance quotes

  57. Pingback: best car insurance

  58. Pingback: car insurance quotes cost by state

  59. Pingback: extremely cheap car insurance quotes

  60. Pingback: progressive auto ins

  61. Pingback: insurance comparison

  62. Pingback: amica car insurance quotes

  63. Pingback: car insurance agency

  64. Pingback: car insurance quotes in nj

  65. Pingback: personal loans maryland

  66. Pingback: no credit check payday loans

  67. Pingback: guaranteed payday loans

  68. Pingback: installment loans online no credit check

  69. Pingback: pay day loan

  70. Pingback: bad credit loans pa

  71. Pingback: online payday loans florida

  72. Pingback: personal loans online fast deposit

  73. Pingback: where to buy cbd oil near me

  74. Pingback: where to buy viagra online

  75. Pingback: medterra cbd oil website

  76. Pingback: can you vape cbd oil

  77. Pingback: cbd oil dogs

  78. Pingback: canada viagra otc

  79. Pingback: where to buy viagra safely

  80. Pingback: pure cbd oil for pain relief

  81. Pingback: cbd oil for anxiety

  82. Pingback: cost of 100mg viagra pill

  83. Pingback: best cbd oil on amazon

  84. Pingback: sildenafil lowest price

  85. Pingback: miracle cbd oil for sale amazon

  86. Pingback: cbd hemp oil benefits amazon

  87. Pingback: Viagra best buy

  88. Pingback: best essay writing services

  89. Pingback: assignment notebooks

  90. Pingback: paper writer generator

  91. Pingback: buy viagra online fast shipping

  92. Pingback: buy custom essay online

  93. Pingback: free research paper writer

  94. Pingback: what is the best essay writing service

  95. Pingback: otc sildenafil in us

  96. Pingback: online homework planner

  97. Pingback: writing essay online

  98. Pingback: writing essay services

  99. Pingback: how to become a better essay writer

  100. Pingback: cleocin prices

  101. Pingback: Viagra alternative

  102. Pingback: clomid purchase

  103. Pingback: viagra pills 100 mg

  104. Pingback: clonidine generic

  105. Pingback: where to buy clozaril

  106. Pingback: Fda approved viagra

  107. Pingback: cheapest colchicine 0,5mg

  108. Pingback: symbicort inhaler price

  109. Pingback: combivent 50/20mcg without a doctor prescription

  110. Pingback: coreg 25 mg pharmacy

  111. Pingback: compazine 5 mg united kingdom

  112. Pingback: coumadin without a prescription

  113. Pingback: where to buy cozaar

  114. Pingback: Generic viagra canada

  115. Pingback: crestor tablets

  116. Pingback: How to get viagra

  117. Pingback: cymbalta 30mg tablets

  118. Pingback: dapsone caps for sale

  119. Pingback: ddavp without a doctor prescription

  120. Pingback: depakote online pharmacy

  121. Pingback: diamox 250mg nz

  122. Pingback: differin 15g pharmacy