Manche entscheidenden Lebenswegbiegungen können auch mal in einem Hinterhof im Wedding beginnen. Auf ´nem Flohmarkt in der Müllerstraße – gleich um die Ecke im eigenen Kiez entdeckte Bernhard Zarneckow 2012 einen „ollen“ Heizlüfter. Für andere vielleicht oll, für Bernhard war der rundlichen Warmluftspender mit seinem rostigen Gitter eine echte Initialschaltung. Zunächst die Eingebung der Luftikus mit Bäuchlein sei bereits ein Lautsprecher und dann die Idee: ja warum eigentlich nicht?! Gedacht getan: das Ding mit seinem herrlichen Vintage-Charme wurde fix umgeschraubt. Heizstäbe und Ventilatoren im Innenleben durch eine Lautsprecher-Konstruktion ersetzt. Kein Thema für Technikfreak Bernhard, der als gelernter Industriemechaniker und angehender Produktdesigner im BMW-Motorradwerk in Spandau schon weitaus größeres Gewerk zusammengeschraubt hatte. Und is er doch Eener, der aus der Zunft der Handfertigen is, die mit dem Schrauben Empathie und Phantasie verbinden.

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Statt als Lebens-Mission einmal Hochglanz-Massenprodukte zu entwerfen, entscheidet er sich nach der Warmlüfter-Schock-Verliebtheit, von nun an auch anderen, im Schnitt an die 50 Jahre alten Apparaten wieder Leben einzuhauchen. Form- und Funktions-Artefakte mit Vintage-Charme (Achtung: gerade auch hipp!) zu transformieren ist das Eine, eine für die Welt mit ihren schwindenden Ressourcen zuträgliche Botschaft zu vertreten, das Andere: Gerade in Zeiten, in denen die Technik von heute Morgen schon wieder veraltet ist, steht Zarneckow hinter seinen Kreationen als „Sinnbild für etwas, das bleibt. Beständigkeit und Individualität – das kommt sicher nie aus der Mode“, so der gebürtige Berliner, der aus Staubsaugern oder Heizlüftern „Aktivlautsprecher“ und -produkterweiternd- auch Ventilatoren mit altem Laborglas, Beton, Nieten und Nägeln aufgepimpt und zu Ufo-ähnlichen Vasen und Lichtkörper verwandelt. Eben eine harmonische Verbindung der alten Formsprache mit einer individuell interpretierten neuen Licht- oder Klangfarbe.

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Das technische Konzept ist dabei erstaunlich schlicht. So bestehen die ebenso eleganten wie knubbeligen Sound-Maschinchen einfach nur aus A) Boxen, B) einem Verstärker und C) einem Ein-/Aus-Schalter – und das wars. An die nostalgischen Geräte werden Smartphones oder MP3-Player ganz easy angeschlossen. Neben einem ganz passablen Sound, der nicht den Anspruch hegt in High-End-Quality-Sphären zu pochen, sondern sich eher mit dem Herzschlag zu verbinden – sprich Emotionen zu wecken – zählt für den Tüftler aus dem Wedding am Ende nur das Gesamtbild. Sollen die transformierten, guten Stücke doch als Unikat und Lieblingsstück ein Zuhause bei Liebhabern finden, die sich bestenfalls auch sofort in ihr persönliches URMURKS verknallen. Ach ja, so heißt das Label. „Ur“ steht dabei für „ursprünglich war´s mal was anderes“ und „Murks“ für „Unfertiges, Fehlerhaftes“. Das ist in Form von Kratzern und Gebrauchsspuren bei „Vintage“ ja durchaus gewünscht. Jedes einzelne Ur-Gerät, das Bernhard nach wie vor auf Flohmärkten oder über Wohnungsauflösungen ergattert, ist für ihn „überraschend anders und inspirierend“. Liebevolle Namensgebungen wie „Red Baron“, „Blue Velvet“ kombiniert mit Adjektiven wie „horny und funky, „frech und vibrierend“ oder „elegant, drall und launisch“ des URMURKS-Schöpfers zeigen deutlich den persönlichen Bezug zu seinen daraus entstandenen End-Werken. Sie begleiten ihn eine Zeit lang wie gute Freunde und dann werden sie vertrauensvoll an gute Kunden übergeben. Bei dem einen oder anderen wummenden oder leuchtenden „Ur-Viech“ blutet Meister Zarneckow sicher auch schon mal das Herz. Ob als quietschgrüner Kasten aus den 60er und 70er Jahren oder als metallisch rundes Modell aus den 30- / 40-ern (und das sind natürlich echte Schätzchen), Hauptsache sie sind nicht vom Rost verfressen oder vollverbeult.

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In Zeiten von massenkompatiblem Design sind Produkte wie die von URMURKS nicht nur echte Eye-Catcher, sondern sie berufen sich auch auf eine einfache Handhabung. Eben so wie früher – ohne versteckte technische High-Tech Spielereien. Einfach Knopp uff „ON“ jedrückt und Sound in die Luft jepustet!

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Zarneckows URMURKSE liegen preislich zwischen 90-200 Euro. (mit zwei Jahren Garantie).

Infos unter: www.urmurks.de

Text: Anke Sademann
Fotos: URMURKS / Bernhard Zarneckow (privat)

Und wo shoppt man sich seinen URMURKS?

Online-Shop: www.etsy.com/de/shop/urmurks

Im Handel:

Der „URMURKS – Showroom“ in der Seestrasse 113 im Berliner Wedding ist nur nach individueller Terminvereinbarung unter meldung@urmurks.de oder 0151-56023110 zu besuchen.

Vielfach Berlin – Das Kreativkaufhaus – ein tolles Geschäft mit vielen spannenden Berliner Labels in der Zimmerstr. 11 (Nahe des Checkpoint Charly) in Mitte, www.fachmiete.de oder auf Facebook

„room capacity“ in der Linienstr. 150 in Mitte, www.roomcapacity.de

„rafinesse & tristesse“ in der Friesenstr. 18/ 10965 Berlin, www.rafinesse&tristesse.com

„Blumen Marsano“ in der Charlottenstraße 75 / 10117 Berlin, www.marsano-berlin.de

„homage berlin“ in der Dieffenbachstraße 15 / 10967 Berlin, www.homagestore.com

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