Weltweit gibt es über etwa 700 Millionen Legastheniker, das sind etwa 10 % der gesamten Weltbevölkerung. Nicht nur für diese Menschen, sondern für JEDEN und JEDE wurde erstmals auf der Frankfurter Buchmesse EasyReading vorgestellt: Eine über 10 Jahre lang entwickelte typografische Schriftform (Font), die durch besonders leichte Lesbarkeit Menschen weltweit den Weg zum geschriebenen Wort erleichtern soll. Nicht nur in „unserer“ Lateinischen Schriftform, sondern auch für Kyrillisch und Griechisch wurden die Schriften bereits als „leicht zu lesen“ adaptiert. In Italien wird EasyReading heute schon in den verschiedensten Bereichen verwendet.

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Federico Alfonsett ist der Vater von EasyReading Foto: Sademann

Das spezielle Design der Schriftzeichen trägt dazu bei, Buchstaben mit ähnlicher Form nicht zu verwechseln. Der größere kalibrierte Abstand wirkt dem wahrgenommenen Verdichtungseffekt entgegen und erleichtert so das Lesen für Jedermann. Die Schrift liest sich luftig, drückt im Kopf befreiende Synapsen-Knöpfe und neben all ihrem Pragmatismus in Sachen Lesbarkeit, mutet sie sehr ästhetisch an und hat sogar schon einen Designpreis abgesahnt. Hinter dem Font-Design steht der Italiener Federico Alfonsetti: Der passionierte Grafikdesigner und Editor hatte schon immer ein starkes Faible für Schriftarten. Das lesbare Wort fasziniert ihn seit vielen Jahrzehnten. Seine Leidenschaft für Buchstaben entdeckte er bereits 1969 an der Schule für Werbeplakatmalerei. Damals waren die Schriftzeichen noch aus Blei. Bleistift, Tusche, Pinsel, Papier, Schere und Kleber waren seine Arbeitsutensilien, bevor er Ende er Achtzigerjahre auf ein Macbook umstieg. Durch diesen ergaben sich plötzlich noch so viele Möglichkeiten mehr, Neues zu kreieren, seine Ideen zu visualisieren und Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

EasyReading Designer Cyrillic_Sademann

Es brauchte fast ein Jahrzehnt passionierter Entwicklung und wissenschaftlicher Studien, bis mit EasyReading eine innovative Lösung der neuen modernen Typografie gefunden wurde (sie ist vergleichbar mit der Microsoft Schrift Verdana). Erst seit Kurzem wird die Schrift auch auf dem erweiterten europäischen und deutschsprachigen Markt bekannt gemacht und Alfonsetti kommt seinem größten Ziel einer Lesbarkeit für alle, immer näher. Vor allem – und das ist das Schöne – kann sich jede Privatperson bereits den Font EasyReading kostenlos auf der EasyReading-Seite herunterladen. Bei einer professionellen Nutzung für Publikationen zahlen Verlage und andere Unternehmen, die die Schrift nutzen je nach Veröffentlichungsvolumen eine individuell errechnete Lizenzgebühr.

EasyReading Designer Federico Alfonsetti _Sademann_web

Es ergeben sich durch die leichtere und damit schnellere  Lesbarkeit unglaublich viele Möglichkeiten. Schriftarten werden nun mal überall eingesetzt: in Zeitschriften, im Internet, auf Straßenschildern, auf Werbeplakaten bis hin zum Visier des Helms eines Jetpiloten. Seit der ersten, in Italien verorteten „Pilotphase“ nutzen bereits einige italienische Verlage, die Website der Universität Turin, das italienische Ministerium für Unterricht, Universitäten und Forschung (MIUR), die Fondazione Einaudi, die Museen Triennale und Palazzo Reale in Mailand, der Palazzo Reale in Turin, das Teatro Regio in Turin für die Übertitel der Opern aber auch die Food-Bewegung Slow Food (mit dessen Gründer Alfonsetti seit langem befreundet ist) die „revolutionäre Schriftart“. Selbst die Micky-Maus Hefte in Italien erscheinen seit kurzem mit dem EasyReading-Font. Auch vom italienischen Verband für Legasthenie, der Associazione Italiana Dislessia (AID), wurde EasyReading für ihre speziellen Designeigenschaften anerkannt.

EasyReading Designer Alphabet_Sademann

Alfonsetti selbst kommt ursprünglich übrigens auch aus dem Verlagswesen. Er gehörte zu den Gründern des 2004 entstandenen Verlags Angolo Manzoni, für den er nicht nur das Layout der Bücherreihen gestaltete, sondern auch sorgsam die Schriften wählte, und dabei stets auf maximale Lesbarkeit achtete. Die Idee, eine speziell lesbare Schrift zu entwickeln, kam Alfonsetti als er 2006 in seinem Verlag ein Buch über Legasthenie veröffentlicht und sich dadurch näher mit dem Thema beschäftigt.

Einer der wichtigsten Impulsgeber des Font-Designers Alfonsetti war der inzwischen verstorbene große Meister des italienischen Designs, Bruno Munari. Von den Typografien, die Munari für seine Gebrauchsgrafiken wählte, ließ sich der heute 67-jähriger Turiner für seinen eigenen beruflichen Lebensweg inspirieren. So schließen wir diese Good News über mehr Lesbarkeit für Jedermann mit einem schlauen Zitat des Maestro Munari, das auch den Gewinn an Lebenszeit durch schnelleres Lesen zum Ausdruck bringt:

„Etwas zu vereinfachen ist eine schwierige Aufgabe, die viel Kreativität erfordert. Etwas zu verkomplizieren ist hingegen viel einfacher. Man muss einfach alles hinzufügen, was einem gerade einfällt.“ Bruno Munari

EasyReading Designer Greece__Sademann

Anmerkung der Redaktion

Legasthenie ist kein pathologischer Moment, sondern eine Schwäche. Sie zeigt sich bei Betroffenen dadurch, dass diese großen Schwierigkeiten haben, einen Text zu entschlüsseln. Auch prominente Dichter und Denker wie Albert Einstein, Leonardo da Vinci, Agatha Christie und John Lennon litten an der heute diagnostizierten Lese-Schwäche.

Alle Informationen – bis dato nur auf Italienisch und Englisch

http://www.easyreading.it/en


Federico Alfonsetti arbeitet gemeinsam mit Enzo Bartolone und Nino Truglio (sowie dem Investor Marco Canali und Berater Umberto Cardellini) in der daraus entstandenen Gesellschaft, EasyReading Multimedia, an der Entwicklung und Vermarktung der Schrift.

http://www.easyreading.it/en

Bis dato nur auf Italienisch – aber trotzdem visuell verständlich der erklärende Film zum Font EasyREading:

Text und Fotos: Anke Sademann

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