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Green Tigerella, Yellow Pear, Rotkäppchen oder lieber die schwarze Krim? Man kann ihm wieder lauschen dem Tomatenchor und Gemüseorchester der Familie Siegeris!

Pralle Äpfel,. Auf dem Obsthof Siegeris wachsen an die 40 alte Apfelsorten. Auf die Frage nach dem gesündesten „appel a day – keeps the doctor away“ – Exemplar empfiehl Siegeris er den Vitamin C reichen Berlepsch oder die Goldparmäne mit dem nussigen Aroma.

Pralle Äpfel: Auf dem Obsthof Siegeris wachsen an die 40 alte Apfelsorten. Auf die Frage nach dem gesündesten „appel a day – keeps the doctor away“ – Exemplar empfiehl Meister Siegeris den Vitamin C-reichen Berlepsch oder die Goldparmäne mit dem nussigen Aroma.

Schauplatz ist der älteste Wochenmarkt Berlins. Seit über 135 Jahren findet er auf dem Breslauer Platz in Friedenau statt. Eine elegante Dame mit grau melierten Haaren, die der bürgerliche Charme von Friedenau umweht, hält Horst Siegeris am ersten Stand links vertrauensvoll einen mit Bleistift beschriebenen Zettel mit geheimnisvollen Namen hin. Schwarze Krim, Green Tigerella, Yellow Pear? Aber die Dame präsentiert nicht inkognito ihren Agentinnenstab, sondern weiß, wie aromatisch ein Tomatensalat mit möglichst vielen verschiedenen und zumeist alten und wieder belebten Tomatensorten schmecken kann.

Die Aromen seiner über 50 Tomatensorten sind für den Obst- und Gemüsefachmann Siegeris echte Allrounder und wie die wunderbare Komposition eines Orchesters.

Willkommen zur Tomatenverkostung: Fest ist die Schale und süß das Aroma des fleischigen Ochsenherzens aus Rumänien (ganz unten). Die kleinen schwarzen Mauretanierinnen gehören zur marokkanischen Familie der süßen „Schokoladentomaten“. Die große Goldgelbe (Namenlos) schmeckt besonders süß und samtig mit leichter Säure. Die gelben Birnchen sind Sloweninnen und setzen Akzente. Die Principe Borghese mit den neckischen kleinen Zipfeln ist so frech wie sie aussieht: spritzig und knackig. Dazwischen die runden Klassiker: Campari und das Harzer Feuer (Klassiker des Ostens). Exotisch hingegen die Roten Zebras, die es auch in grün und gelb- gestreift gibt.

Willkommen zur Tomatenverkostung: Fest ist die Schale und süß das Aroma des fleischigen Ochsenherzens aus Rumänien (ganz unten). Die kleinen schwarzen Mauretanierinnen gehören zur marokkanischen Familie der süßen „Schokoladentomaten“. Die große Goldgelbe (Namenlos) schmeckt besonders süß und samtig mit leichter Säure. Die gelben Birnchen sind Sloweninnen und setzen Akzente. Die Principe Borghese mit den neckischen kleinen Zipfeln ist so frech wie sie aussieht: spritzig und knackig. Dazwischen die runden Klassiker: Campari und das Harzer Feuer (Klassiker des Ostens). Exotisch hingegen die Roten Zebras, die es auch in grün und gelb- gestreift gibt.

„Probieren Sie auch mal meine Berner Rose aus der Schweiz mit ihrer purpurfarbenen prallen Haut, junge Frau. Stefan, in der dritten Reihe rechts oben steht die Krim, gib mal rüber!“ Auch die Klassiker wie das Harzer Feuer (die Tomate des Ostens) oder die Cocktailtomate Campari dürfen nicht fehlen. Siegeris würde auch blind jede seiner Ziehkinder nach Geruch und Geschmack erkennen. In seinem „Geheimlabor“, bestehend aus kleinen Aussaatkästen, zieht er ab März seine raren Tomatensorten. Die sind auf mehreren DIN A4-Seiten gelistet, die Reihen in den fünf siloartigen Tomatenzelten nummeriert. „Einigen, wie der Lara Türkei oder der Monzano Negro Lanzarote, habe ich selbst Namen gegeben. Frei nach den Orten, wo ich die Tomaten mitgenommen habe. Im Sommer wächst in meinen Zelten die ganze Welt auf einmal“, so der Werderaner, der auch lebensphilosophische Ratschläge in den Einkaufskorb mit einpackt.

Ein eingespieltes Team. Horst Siegeris mit Denise bei der Tomatenernte. Für die über 100 raren Sorten braucht es das Fachwissen der beiden Gartenfachbauern.

Ein eingespieltes Team. Horst Siegeris mit Denise bei der Tomatenernte. Für die über 50 raren Sorten braucht es das Fachwissen der beiden Gartenfachbauern.

Seit Anfang Juli, über die gesamte Hochsommerzeit bis Mitte September, haben diese Wundertomaten Hochsaison, ein paar wenige Sorten wie die riesigen bis zu 900 Gramm schweren Fleischtomaten Pantano Romanesco oder das Ochsenherz bis November. Ein ganzes Regiment steht hier in Kisten bereit, um zu Salat, Saucen, Chutneys oder Tartes verarbeitet zu werden. Sie schmecken so aromatisch, als kämen sie direkt aus der Mittelmeerregion. Viele kann man sich, klein und kompakt wie sie sind, auch direkt in den Mund schieben. Ein bisschen Fleur de Sel und frische Kräuter darüber gestreuselt können sie auch auf einer Scheibe gebuttertem Krustenbrot genossen werden. Weniger mit Mehr, wobei das Mehr in den Aromen steckt, die in den gängigen Supermarkt-Tomaten (leider auch bei BIO) nur noch selten zu finden sind.

Seit 28 Jahren steht der vor Temperament und lebendiger Redseligkeit nur so sprühende 62-jährige bis zu dreimal wöchentlich auf dem Friedenauer Markt. Seit 1999 mit Sohn Stefan, den er im eigenen Betrieb zum Fachverkäufer für Obst und Gemüse ausgebildet hat. Er vertreibt das Siegeris´sche Sortiment mit annährend gleichem Kommunikationstalent und Fachwissen auf Standort Nr.2, dem Markt am Schöneberger Rathaus.

Das Tomaten- und Apfelimperium in den Glindower Alpen

Auf dem in Glindow bei Werder angesiedelten 5 ha großen Familienhof baut der gelernte Gärtner und Gartenfachbauer ganzjährig auch an die 40 Apfelsorten an. Siegeris ist ein Meister des Beschnitts und teilt seine Erfahrung auch gerne mit anderen Obstbauern.

Pralle Äpfel,. Auf dem Obsthof Siegeris wachsen an die 40 alte Apfelsorten. Auf die Frage nach dem gesündesten „appel a day – keeps the doctor away“ – Exemplar empfiehl Siegeris er den Vitamin C reichen Berlepsch oder die Goldparmäne mit dem nussigen Aroma.

Pralle Äpfel,. Auf dem Obsthof Siegeris wachsen an die 40 alte Apfelsorten. Auf die Frage nach dem gesündesten „appel a day – keeps the doctor away“ – Exemplar empfiehl Siegeris er den Vitamin C reichen Berlepsch oder die Goldparmäne mit dem nussigen Aroma.

Auf die Frage nach dem gesündesten „appel a day – keeps the doctor away“- Exemplar empfiehl er den Vitamin C reichen Berlepsch oder die Goldparmäne mit dem nussigen Aroma. Auch zahlreiche alte Obst und Gemüsesorten wachsen auf dem von idyllischer Landschaft umrahmten Hof. Die findet man dann saisonabhängig auf dem Markt. Neben dem nach Spargel duftenden Blumenkohl liegen der Color Five- Mangold, die Linda-Kartoffel oder die saftigen Bergpfirsiche. Ab Mitte August hat Siegeris auch an die 20 Birnensorten im Angebot. Zwischen 60 – 80 % seiner Verkaufsware kommt im Sommer aus dem Eigenanbau und wird nachhaltig in einem Kompostierungsprozess wieder in den Kreislauf gebracht. „Ich bette meine Zöglinge in bester Muttererde mit Rindermist vom Biolandwirt, die so durch Tiefenlockerung eine bessere Nährstoffaufnahme genießen. Die alten Sorten schmecken und riechen besser, sind aber auch empfindlicher. Pflanzenschutz setze ich deswegen so viel wie nötig und so wenig wie möglich ein. Eine kleine Raupe im Apfel ist doch auch ein guter Eiweißlieferant“, zwinkert Siegeris, den sein Humor und seine nach vorne gerichtete Lebenseinstellung schon nach der Wende schnell wieder auf neue Wege und bis hierhin zum Markt gebracht hat.

„Als ich durch die Wiedervereinigung meinen Job bei der LPG (die später zur „Werder Frucht“ wurde) verlor, standen meine Signale sofort auf grün. Ich war in Goldgräberstimmung und wollte, als es beim Amt hieß, ich wäre schwer vermittelbar, ein Gewinner und kein Verlierer sein. Dabei war mein mittlerweile selten gewordenes Fachwissen mein großer Joker“, verkündigt Siegeris, der mit seinen funkelnden Augen und dem dichten grauen Haarschopf wie ein großer Junge wirkt. Nach und nach baut Siegeris den Schwiegerväterlichen Hof am Fuße der Glindower Alpen und auch den Eigenanbau aus.

Gartenfachbauer Horst Siegeris ist stolz auf seine besonders aromatischen Rettichsorten und Radieschen. Die dürfen alle auch krumm sein.

Gartenfachbauer Horst Siegeris ist stolz auf seine besonders aromatischen Rettichsorten und Radieschen. Die dürfen alle auch krumm sein.

Bereits seit den 70ern fuhr sein Schwiegervater Hoppe, wie für einen Werderaner so üblich, tagsüber Traktor und betrieb abends einen kleinen Anbau. Der pfiffige Urgroßvater Hoppe fing mit dem Obstanbau nach dem Landerwerb an. Den konnte er durch eine gut gehende „Alpen-Restauration“ mit eigener Dampferanlegestelle, Blasmusik und Gulaschsuppe für 25 Pfennig realisieren. Das Ausflugslokal boomte, vor allem während des Baumblütenfests. Seine Erdbeeren verkaufte er an Schöneberger Eisdielen. Nach dem Krieg und in DDR-Zeiten war das Haus am Eingang des Grundstücks ein Kinderferienlager mit Sommergarten, und bevor es ganz verrottete, ein Asylantenheim. Nach der Wende wandern die ländlichen Erzeuger aus dem Osten ab. Im östlichen Teil der Stadt breiten sich die Obst- und Gemüsestände mit Südfrüchten aus und Siegeris nutzt den Bedarf nach regionaler Ware im „Märkte verwaisten“ Westen. Nach kurzen Stationen im Großmarkt und einem eigenen Laden entdeckte er 1991 den Friedenauer Standort und fühlt sich bis heute dort aufgenommen und angekommen. 60 % seiner Kunden sind Stammkunden, die seit 20 Jahren kommen. Der eine für das Gesamtsortiment, der andere nur für die Äpfel. Eine Frau kauft seit 20 Jahren nur Grünkohl. Was alle verbindet, ist der warme Ton mit ihrem Marktmann des Vertrauens. Kinder werden erwachsen und kommen selbst mit ihren Kindern. Akademiker sind inzwischen im Ruhestand und haben mehr Zeit zum Plaudern mit „ihrem Horst“. Der ist trotz der langen und frühen Markt- und Feldtage immer gut gelaunt. Stefans und Horsts Tag beginnt bereits um 6.30 Uhr und endet oft erst um 22 Uhr. Blattgemüse und Gurken werden morgens noch frisch geerntet und Zugekauftes beim Großhändler eingeladen. Nach einer Stunde Fahrzeit auf die Märkte in Berlin wird ein 12 qm großer Stand aufgebaut, die Kunden intensiv beraten und betreut, ein Späßchen für Griesgrämige hervorgezaubert, ein Zubereitungs-, Lager- oder Gesundheitstipp für Interessierte verraten. Mit kostenlosen Probierfrüchtchen wird nicht gespart und am Ende landet irgendetwas Knackiges, das weg muss noch oben drauf im Einkaufskorb. Die Kunden sind happy und kommen gern wieder.

Denise bei der Tomatenernte auf dem Obsthof Siegeris in den Glindower Alpen. Hier wachsen über 100 Tomatensorten aus aller Welt.

Denise bei der Tomatenernte auf dem Obsthof Siegeris in den Glindower Alpen. Hier wachsen über 50 Tomatensorten aus aller Welt.

Eine große Sorge aber hat Horst: „Wir sind mitten im Massensterben der Gartenanbaubetriebe. Das Fachwissen und alle alten Werte gehen verloren. Der Azubi-Nachwuchs und die Anbauflächen schwinden. Körperliche Arbeit will keiner mehr machen. Aber der Bedarf ist groß. Das stimmt mich sehr traurig.“ Aber Horst hat Glück. Seit drei Jahren unterstützt ihn die gelernte Zierpflanzengärtnerin Denise, die er selbst auf den traditionell orientierten Gartenbau weitergeschult hat. Im Pflanzenreich ist sie mit einem echten “Fleißigen Lieschen“ zu vergleichen und steht schon ab 6 Uhr auf dem Feld und in den wachsenden Tomaten. Auch das gegenseitige Vertrauen ist gewachsen. Horst ist sehr anspruchsvoll. Man kann viel falsch machen, braucht das Wissen, aber auch das Fingerspitzengefühl. Denise beherrscht schon jetzt die hohe Kunst des Baumschnitts. „Ich liebe es, draußen zu arbeiten. Aber es ist viel, viel zu tun“, und Horst ergänzt: „Wir sind ein eingespieltes Team und sie entlastet mich durch ihre Zuverlässigkeit und der Freude am Beruf. Es ist schwierig, jemanden zu finden. Mein Sohn ist nicht auf dem Acker, er steht aber fast jeden Tag wie eine Eins am Verkaufsstand. Und meine Frau Jutta ist meine „Feuerwehr“ und kümmert sich um Zukauf und den Partnerkontakt. Am Samstag betreut sie einen zweiten Marktstand in Friedenau. Wir sind seit 41 Jahren ein Team. Ein Handy habe und brauche ich nicht. Denn es klappt trotzdem alles mit dem Außenkontakt,“ da hat Siegeris seinen festen Standpunkt.

Auf die Frage, ob das nach all den Jahren noch Spaß macht auf dem Feld und auf dem Markt, überlegt Horst kurz: „Hier hat jeder Tag zwar seinen festen Rhythmus, aber trotzdem ist es immer neu und anders. Hier wächst nun mal alles im Zeichen der Natur. Wir säen, ernten, beschneiden – auch bei Regen, Frost oder Hitze. Wenn ich nach Feierabend meinen Blick über das, was ich geschaffen habe, schweifen lasse und im Hintergrund die Glindower Alpen sehe, bin ich glücklich. Immer. Der Markt, das ist wie eine Familie. Das ist Gemeinschaft und man ist ein gleichwertiger Teil der Gemeinde – das ist, jetzt hab´ichs, Kiez!“

Text: Anke Sademann
Fotos: Anke Sademann

Header Obsthof Siegeris_Sademann

Markttemine

Markt Friedenau auf dem Breslauer Platz
mittwochs und samstags 8 – 13 Uhr, donnerstags 11 – 17 Uhr
Markt Schöneberg vor dem Rathaus
dienstags und freitags 8 – 13 Uhr

Tolle Rezepte und Tipps rund um Siegeris Obst und Gemüseorchester auf der Website:

www.obsthof-horst-siegeris.de

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