Roussillon Weinprobe im Lamazere

Französische Weinprobe von Roussillon Weinen in der Brasserie Lamazère Foto © Anke Sademann

Die Weinregion „Roussillon“ mit seiner zwischen Mittelmeerküste und bergigem Steinland gebetteten Hauptstadt Perpignan, hatte im letzten Jahr einen besonderen Platz in der europäischen Welt der feinmundigen Weine: sie wurde zur Europäische Weinregion 2019 auserkoren. Santé! Darauf stoßen wir an und freuen uns jetzt schon auf das neue Jahr mit diesen wunderbaren Weinen! Wir haben die Region besucht und ihren Titel zum Jahresbeginn bei einer Weinverkostung im formidablen französischen Restaurant Brasserie Lamazère in Berlin Charlottenburg gefeiert. Ein paar typische Roussillon-Weine wurden ver- und vorge-kostet. Wir verraten welche die besten waren und (nach einer detektivischen Recherchearbeit:) auch wo und in welchem Berliner Wein-Fachgeschäften man die guten Tropfen erstehen kann (im Berliner Gefilde sind sie leider noch schwer zu finden).

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Das Roussillon und seine vielfältigen Terrains (Böden und Gestein) gilt als „Wein-Amphitheater“.
Fotos: ©Anke Sademann

Das weitläufige Weinbaugebiet des Roussillon liegt im Département Pyrénées Orientales im Languedoc-Roussillon im Südwesten Frankreichs (seit 2016 gab es den territorialen Zusammenschluss zu Okzitanien) und naturellement ist auch eine Reise in diese, zwischen Mittelmeerküste (Collioure et Banyuls) und karstigen Gebirgsketten (Massiv Corbière und Albères, den Pyrenäen mit dem Berg Canigou) situierten Weinregion absolument empfehlenswert.
Die dem Weinanbau gut ge-SONNE-ne, geografische Lage des Roussillon bietet zusammen mit einem sanft wechselnden Klima (heiße Sommer, regenreicher Herbst und milde Winter) ideale Voraussetzungen für die weinselige Palette der Vins du Roussillon. Ihr mineralisch kühler Grundtonus und das Grundrauschen einer elegant anmutenden Säure treffen auf geschmeidig in Zaun gehaltene Tannine.

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Das Weingut Mas Bécha: Jedem Familienmitglied des Jungwinzers ist eine Comic-Etikette gewidmet
Fotos: © Anke Sademann

Eine tiefrot nach allerlei dunklen Beeren schmeckende, geschliffene Fruchtigkeit sind weitere Geschmacksallüren dieser gütegesiegelten „Identitätsweine“. 16 davon tragen die Kennzeichnung des regional streng kontrollierten und geografisch eingrenzenden Qualitätslabels AOP (Apellation d´Origine Protégée früher AOC) und die Etikette des Landweins IGP (Indication Géographique Protégé früher Vin de Pays). Mit seinen vielfältigen Terrains  – Boden- und Gesteins-Beschaffenheiten – gilt die Region als ein „Wein-Amphitheater“. Dieser metaphorisch recht passende Vergleich führt bis ins antike Griechenland und die Zeit der Römer zurück, die den Weinanbau und -Handel in eine der ältesten Weinregionen gebracht hatten.

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Régis Lamazère serviert Weine aus dem Roussillon © Anke Sademann

Die Erfahrung jährt sich: Bereits vor 2600 Jahren wurde im Roussillon Wein angebaut. Die katalanische Hauptstadt Perpignan (seit 2016 okzitanisch) war und ist hierbei der kommerzielle Dreh- und Angelpunkt der Roussillon-Weine. Der Bau der Eisenbahn im Jahre 1856 etablierte die Region als wichtige mitteleuropäische Weinregion – vom 19.Jahrhundert bis heute. Auf einer Rebfläche von 20.954 ha werden im Roussillon an die 2 % des französischen Weinvolumens produziert. Die zumeist von Familien über mehrere Generationen geführten an die 400 Privatkellereien (25353 Winzer) bauen die 24 verschiedenen Rebsorten (17 davon für AOP Weine, Ausbau auf 80 % Hanglagen auf bis an die 750 m Höhe) zu 16% Weiß-, 31 % Rosé- und 53 % Rotweinen aus.

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Originelles Flaschendesign von Château de Jau, Lafage und Mas Bécha Fotos:© Anke Sademann

Die Gegend steht für Zeitgeist und Nachhaltigkeit: Eine junge Winzergeneration erarbeitet Hand in Hand mit den Altwinzern neue Vermarktungskonzepte. Das hört aber nicht bei den mancherorts recht trendigen Etiketten und Flaschen-Designs auf. Man begegnet den klimatisch spürbaren Veränderungen mit technischen Neuheiten, experimentiert mit alten, resistenten Rebsorten oder auch Schwefel- und Zuckerreduzierten Weinen.
Und: die Region steht in Sachen Bio und biodynamischem Weinbau in Frankreich an erster Stelle!

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Vom typischen VDN-Süsswein-Winzerkeller wanderten die 12 Jahre lang gereiften Süssweine „direkt“ in die Gläser eines Berliner Gremiums von Händlern und Fachjournalisten. Die kosteten fast ein wenig andächtig diese raren Tropfen und andere Roussillon Weine in der Brasserie Lamazère Fotos: © Anke Sademann

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Historisch bekannt ist die Region aber vor allem für den in Deutschland wenig gängigen VDN (Vin Doux Naturel / Hors d´Age / seit 1872 geschützter Begriff / seit 1936 AOC/AOP). Das sind „alterslose mindestens 14,5 prozentige Süßweine“ wie der Banyuls, Maury oder Rivesaltes. Geschmacklich vergleichbar sind sie mit den (noch hochprozentigeren) Port- oder Madeiraweinen. Ihre Grenache-Trauben wachsen auf fast allen Weinbaufähigen Terroirs des Roussillon – wie Granit, Gneis, braunem und schwarzem Schiefer sowie roten Tonkalk- und Kalksteinböden (Corbières-Ausläufer) sowie auch den steinigen Terrassen entlang der Flüsse Tech, Agly und Têt, die sich durch die Region mäandrieren.

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VDN passt auch zum süssen Nachgang wie Kindheitserinnerungen wachrufender Milchreis mit Karamel Foto: © Anke Sademann

Bei den natürlichen Süßweinen wird während des Gärprozesses neutraler Weinalkohol (Branntwein) mit 96% in einem Verhältnis von 5-10 % des Traubenmostvolumens zugegeben, um die Wirkung der Hefen zu stoppen (Mutage) und einen Teil des natürlichen Traubenzuckers unvergoren zu erhalten (Spriten). Das bereits seit dem Mittelalter bekannte Verfahren wurde 1285 von Arnau de Vilanova – dem Hofarzt der Könige von Mallorca (des heutigen französischen Roussillon) auf dem Weingut der Templiner erfunden. Sonnenkönig Ludwig XIV sowie der große Philosoph Voltaires liebten diese aromatischen Weine. Gut Wein will Weile haben: Im Schnitt ruhen sie wie Schätze zwischen 30 Monaten und bis weit über 20 Jahre in Eichenfässern (oxidiert) in den archaischen Kellern der Roussillon-Winzerfamilien. Zwischendurch in den 90-er Jahren waren sie out, wurden sogar jahrelang ein wenig „vergessen“. Seit einigen Jahren werden sie wieder als Traditionsgut begriffen, wertgeschätzt, genossen und vermarktet.

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Monsieur Eric Aracil – Deputy Director and Export Manager von VDN / Roussillonweinen Fotos: © Anke Sademann

Im Laufe des Ausbaus und der Lagerung verändern sich Struktur, Aromen und die Farbe, die von einem hellmatten Gelb bis zu tiefem Amber (Bernsteinfarben) changieren. Für die Aromenvielfalt der VDN´s stehen die vielen Sorten des Rivesaltes, der als Grenat (Kirsche/Brombeere), Tuilé (Café, Tabak, Feigen, Pflaume), Ambré (s.u.) oder Rosé (Grenadine, Myrtille, Grosseille)) ins Glas fliest. Wir haben verzückt den 12Jahre alten Rivesaltes Ambré mit Aromen von Orangen-Confit, Gewürzbrot, Trockenfrüchten, Karamel und Gewürzen aus 100 % Grenache Blanc Trauben probiert. Auf Eis oder aufgegossen mit Tonic und Orange (RivTonic) ist er ein köstlicher Aperitif – sommers wie winters. Pur passt er zu kräftigen Wild-Variationen oder asiatisch interpretierten Fusionsgerichten aber auch als Desserwein und Digestiv zu reifem Ziegen- oder Blauschimmelkäse mit Trockenfrüchten schmecken die VDN´s nicht nur zu den Feiertagen. Sie liegen angenehm rund und mehrdimensioniert süßlich im Gaumen (Achtung: nicht lieblich!!). Diese aromatisch fein nuancierten Süßweine im Berliner Handel zu finden, ist leider noch unausgereift (online bestellbar/eine angebrochene oxidative ausgebaute VDN Flasche hält sich mehrere Wochen lang).

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Eric Aracil präsentiert leidenschaftlich und anschaulich die VDN & Roussillonweine Foto: ©Anke Sademann

Insider und VDN-Neulandentdecker werden auf diesen beiden Seiten fündig
www.terrassous.com, www.lesvinsparcefreres.com

Aber jetzt zu den in Berlin zu erstehenden Weinen des „Amphitheaters Roussillon“. Träumen wir uns doch einfach mal vom urbanen Stadtbeton zu den roten Böden auf kompaktem Kalkstein oder den schwarzen Böden mit Schiefermergel – als Überbleibsel der Kreidezeit-, die den Weinen der Domaines Arguti, Soulanes et Fontanel ein perfektes Terrain bieten. Hier wachsen die besonders alten Reben (Mindestalter 50 Jahre / die ältesten sind aus dem Jahr 1918) für die grandiosen Weine der Domaines des Soulanes, die wir kosten durften und mit voller Überzeugung weiterempfehlen. Wie wäre es fürs Silvester-Fisch-Menue (in der Brasserie Lamazère war das ein Kabeljau mit Wintertrüffeln auf Selleriepüree) mit dem mineralisch leichten, auf feiner Hefe gereiften IGP Cotes Catalanes Blanc Kaya aus den Grenache- und Carignan-Trauben (jeweils gris et blanc) mit einem Hauch von Zitrus-Ananas und Honignote. Für Liebhaber einer kräftigen Wildpastete oder eines Cassoulets (Fleischeintopf aus dem Sud-Ouest und Spezialität des Hauses Lamazère) empfiehlt sich das Rotbeerige, das sich im roten Weinpendant Kaya Rouge findet.

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Unsere Roussillon Wein Empfehlungen Tautaveles, Arguti und Soulanes sind im ausgesuchten Berliner Weinfachhandel erhältlich © Anke Sademann

Tief und vollmundig schmeckt der dreidimensional nach roten Früchten wie schwarze Johannisbeere und Schwarzkirsche. Dazu gesellt sich ein feinwürziger dunkler Unterstrich aus Eichenholz, Schokolade und dem nur leicht zu erahnenden Ätherischen einer Gewürznelke. Aber auch der kräftig beerige (mit Lakritz und Vanillenote) aber von einer leichter Säure durchwebter Rote « Prieuré Cotes du Roussillon Villages Tautavel » ist ein ehrlich vollmundiger Tropfen, der Potential hat den Weingeniesser den ganzen Abend (am besten am Kamin mit Bärenfell) zu begleiten. Passend auf dem Teller wäre da das Erdige von Rote Beete (zum Beispiel als Carpaccio mit gerösteten Nüssen und einer Gurkenmousse) oder einem Klassiker à la française – wie ein saftifes Rinder-Tartar, der vom Bitteren des Chicorées, Orangenzester und einer Garniture von Wildkräutern mit leicht in gutem Öl Butter geschwenkten, crispen Topping-Körnchen von Fenchel oder Anis begleitet wird. Eine weitere Pur-Pur-Rot-« Roussillonische » Empfehlung ist der 12 Monate im Barrique (Eichenholzfass) gereifte Domaine Ugo Arguti. Die 60 % Grenache noir, 30 % Syrah und 10 % Carignan Trauben wurde – was sonst – auf schwarzem Schieferboden mit südlicher Ausrichtung in 300 m Höhe angebaut. Das schmeckt man: Der Wein mit dem Jahrgang 2017 hat Potential.

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Das zu den Roussillonweinen passende Lamazère Weinmenue – von erdig, wild bis karamellig © Anke Sademann

Aber am besten mal für Speis und Roussillon-Trank in der Brasserie Lamazère bei Régis Lamazère vorbeischlemmen (der selbst neben den Roussillon-Tropfen auch an die 180 Weine im Repertoire führt) oder zur Weinberatung nach Kreuzberg, Wilmersdorf oder Charlottenburg in die « Natur Genuss Weinläden von Suff » oder in die Köpenicker Strasse zu «Passion Vin Sebastien Visentin» pilgern. Wir empfehlen durchaus auch den passionierten Weinimporteur Jerome Lejeune (Lejeune Weinimport) zu kontaktieren, der sich bis dato auf spanische Weine konzentriert hat und sehr ambitioniert – hoffentlich auch bald mit den VDN´s im Reigen – das Roussillon-Wein-Spektrum in Berlin erweitern möchte.

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Foto: Weinladen Suff Foto: ©Suff

Wir wünschen allen BERLIN FACES Weinfreunden das Grand Plaisir, sich für festliche aber auch alltagsfreudige Genussmomente auch einmal auf den Geschmack des «Blut der Erde des Roussillon » einzulassen oder die Europäische Weinregion 2019 auch in 2020 einmal zu besuchen.

Reportage und Text: Anke Sademann
Fotos: © Anke Sademann
außer den Foto-Motiven: Engel mit Weinflasche in Berlin (© Weinhaus Suff)

Adressen:

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Berliner Weinhändler umringen Monsieur „Vin de Roussillon“ Eric Aracil im Lamazère (Régis Lamazère 2.v.l.) © Sademann

Restaurant Brasserie Lamazère
Stuttgarter Platz 18
10627 Berlin
Reservierungen: 030 31800712
www.lamazere.de

Alle Informationen zu den Weinen der Region Roussillon: www.roussillon.wine
Anreise ins Roussillon über Toulouse, Montpellier oder am besten Barcelona

Zum Verkosten und Entdecken der Roussillon Weine empfehlen wir folgende Berliner Weinhändler.

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Fotos: ©Weinhandlung Suff

Jerome Lejeune Weinimport
https://lejeune-weinimport.de/

Passion Vin Sebastien Visentin
Köpenicker Strasse 18-20 Tel.: 030 695 199 20
http://www.weine-visentin.de/

Natur Genuss / Weinhandlung Suff
www.suffberlin.de/

Kreuzberg
Oranienstraße 200
10999 Berlin
(030) 614 2148
Mo-Fr. 13:00 – 19:30
Sa. 11:00 – 17:00

Weinstand in der Markthalle Neun
Kreuzberg
Eisenbahnstraße 42-43
10997 Berlin
(030) 614 2148
Di-Mi. 12:00 – 20:00
Do. 12:00 – 22:00
Fr. 12:00 – 20:00
Sa. 10:00 – 20:00

Weinhandlung Hertz
Charlottenburg
Leonhardtstraße 7
14507 Berlin
(030) 324 9997
Mo-Do. 12:00 – 19:00
Fr. 11:00 – 19:00
Sa. 10:00 – 15:00

Weinhandlung Hertz
Wilmersdorf
Rüdesheimer Platz 11
14197 Berlin
(030) 821 0036
Mo-Do. 12:00 – 18:30
Fr. 11:00 – 18:30
Sa. 10:00 – 16:00

Vin doux naturel_Lamazere_Anke SademannCocktail mit Riversalt_Sademann

Reportage und Text: Anke Sademann
Fotos: © Anke Sademann
außer dem Foto-Motiv: Engel mit Weinflasche in Berlin (© Weinhaus Suff)

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