Ausflugstipp in den Tegler Forst.

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Foto: Urwald? Wanderung durch 90 ha Tegler Forst vorbei an der „Dicken Marie“ (unten)

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Nach der ganzen Feier-, Völler- und Familien-Duselei empfiehlt es sich mal wieder frische Luft zu schnappen. Unser Tipp: statten Sie doch der „Dicken Marie“ mal einen Besuch ab. Die Rede ist von Berlins zeitgeduldigstem und ältestem Baum. 900 Jahre hat die Stieleiche auf dem Buckel bzw. Stamm. Und wie kommt man zu dieser betagten Dame? Ganz einfach: Über einen schönen „Umweg“, der an der U-Bahn-Station 6 (Alt-Tegel) auf gleichnamiger Straße beginnt. Vom Uferweg bedarf es nur eines kleinen Abstechers nach rechts, um die „Bäumin“ zu besuchen. Vorbei am alten Dorfanger mit Dorfkirche schnuppert man schon die Tegeler Seeluft.

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Denn Tegel ist auch im Winter viel mehr als der Noch-Flughafen: Mit 33,7 km² Fläche ist der Reinickendorfer Ortsteil, nach Köpenick, Berlins zweitgrößter Bezirk – sein See der zweitgrößte Berlins. Um seine 450 Hektar winden sich Uferwege, und Promenaden mit Häfen und kleinen Reedereien. Aber vor allem gibt es hier eines: kultvierte und wilde Natur. Im Wildgehege Tegel Forst bestaunt man Wildschwein und Muffelwild und an der bekannten Greenwichpromenade, benannt nach Reinickendorfs Partnerbezirk in London, warten die Schiffe darauf, mit „Rundfahrern“ in See zu stechen. Auch ein Schlenker zur Sechserbrücke lohnt sich. Die rote Hafenbrücke Sechserbrücke – eine 91 Meter lange Fachwerkbogenbrücke aus Stahl – spannt ihren Bogen über die Zufahrt zum Tegeler Hafen und das Tegeler Fließ. Bevor sie 1909 gebaut wurde, musste man mit einem Boot übersetzen und dafür einen Sechser (fünf Pfennige) bezahlen.

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Foto: Geheimtipp Tegler Schloß mit kleinem Schloßpark und Humboldt Eiche (400 Jahre)

Auf der Seepromenade prominiert es sich ausgiebig bis zur nördlichen Bucht, die zum „Großen Malchsee“ führt. Auch er ist ein Ausläufer der Havel, wird von Feuchtbiotopen und kleinen Bootsstegen umgeben. Und wer sich verläuft hat einen netten Helfer am Wegesrand. Der „Erzengel von Heiligensee“, eine übermanngroße archaische Steinfigur, weist den Spaziergängern den Weg zu Maries grünem Winkel. Namensgeber der behäbigen Dame waren übrigens die bekannten Naturwissenschaftler und Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, die auf Schloss Tegel aufwuchsen und den dicken Baum nach der Köchin des Hauses benannte. Ihre Erben wohnen bis heute im nah gelegenen Schloss Tegel mit Park. Auf Höhe der Waldhütte geht es links zur Halbinsel Reihen Werder. Hier ließ Ernst Borsig, einer der größten Eisenbahnbauer der Welt, 1913 die Villa Borsig bauen. Das Herrenhaus, das bis 1937 zum Wohnsitz der Familie wurde. Heute wird heute als Gästehaus des Bundesaußenministers genutzt und in neu errichteten Gebäuden ist heute die Akademie Auswärtiger Dienst des Auswertigen Amts untergebracht. Nach einem kleinen einsamen Badestrand  vorbei am Wildgehege könnte man jetzt noch stundenlang in den Tiefen des Tegeler Forstes weiterwandern. Ein weiterer alter Baum steht im stillen Park des 1820/24 von Schinkel gebauten Humboldt Schloss – ein viertürmiger, klassizistischer Kubus mit Familien-Grabanlage und Eichenhain. Die 400 Jahre alte (sehr morsche!) weitflächig eingezäunte Humboldt-Eiche steht unübersehbar mittendrin. Das Privatschloss ist nur montags zu besichtigen. Südlich im Tegler Forst auf dem Mühlenweg steht übrigens Maries „große“ Schwester. Die Burgsdorf-Lärche (1795) ist mit 43m Berlins höchster Baum umgeben von einer „ungezähmten“ Waldfläche (90 ha): das ist wilde und kultivierte Natur am Stadtrand. Fazit: Die zwei Schwestern stehen ihren Baum.

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Und noch ein Superlativ, aber ein urgemütlicher lädt zum Zwischenstopp: Am Ende der Karolinenstraße direkt beim Schlosspark steht die denkmalgeschützte „Alte Waldschänke“ (1650). Berlins älteste Gaststätte – ein Fachwerkhaus mit Firstgebälk und lauschigem Biergarten. Einst Arbeiterwohnhaus und „Kutschkneipe“ für vorbeifahrende Händler, die ihre Waren nach Berlin brachten, bietet sich Ausflüglern von heute Maultaschen und Spätzle. Der Wirt verwöhnt die Gäste mit gutbürgerlicher schwäbischer Küche.

Text und Fotos: Anke Sademann

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Anfahrt mit den Öffentlichen:
U6 Alt Tegel, S 25 Tegel

Schloss Tegel: Adelheidallee 19-21 in 13507 Berlin – Tegel – Park auf eigene Gefahr betretbar.
Öffnungszeiten / Führungen
Nur montags: Schlossführungen (Mai bis September) nur montags um 10.00, 11.00, 15.00, 16.00 Uhr. Tel: 030-4 34 31 56 Der Park ist z. Z. tagsüber geöffnet.
Gastronomie-Tipp:
Alte Waldschänke – Wiesenstein
in der Karolinenstraße 9
13507 Berlin, Tel.: 030 43730679, www.wiesenstein.de
Täglich von 12:00 bis 24:00 Uhr geöffnet!

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