Flying Colors Foto Anke Sademann (26)         Flying Colors Archiv Foto

Es war einmal…. In Berlin Schöneberg wurde Drachengeschichte geschrieben: Wie alle Jahre wieder färben sich die Blätter, fallen vom Baum und wehen in Windeseile über das Tempelhofer Feld. Über die größte innerstädtische Freifläche bläst der Wind nun mal am besten. So mehren sich am Berliner Himmel auch wieder die kunterbunten Farbtupfer der Drachen. Lenkmattenfreaks bevölkern in Scharen das Rollfeld. Die Vielfalt und Techniken der Modelle sind frappierend und selbstgebastelte Papierdrachen waren vorgestern. Los mit der Drachenmanie ging es in Berlin 1983 – da hatten ein Amerikaner und ein Engländer nämlich den amerikanischen Drachenkult erstmals und mutig (und noch vor Mauerfall) nach Berlin gebracht. Chris Sandy, ein Engländer und Computerfachmann und Michael Steltzer, ein Amerikaner und Architekt, entschieden sich gemeinsam den ersten Drachenladen in der Eisenacherstr. 81 in Berlin Schöneberg zu gründen.

Sarah Boesche_Flying Colors Foto Anke Sademann (28)

Sarah Boesche Fotos: Sademann

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Lilly (die Azubine), Sarah (GF), Nico (Drachenfachmann) und Praktikant Timo v. rechts

35 Jahre später heißt die „Vom Winde Verweht Sandy und Steltzer GbR“ mittlerweile „Flying Colors“ und die next Dragon Generation – in diesem Fall Steltzers Tochter Sarah Bösche und ihr 6-köpfiges Team u.a. mit Lilly (die Azubine) und Nico (Drachenfachmann), Praktikant Timo (auf dem Foto oben die neue Geschäftsführerin Sarah Bösche) hat nun das Ruder, bzw. die Schnüre übernommen. Für viele ist das Drachensteigenlassen einfach nur verbunden mit ihren Kindheitserinnerungen und heute nur noch eine vergessene Leidenschaft. Hat man dann selbst Kinder, erinnert man sich. Aber ist das Lass-deinen-Drachensteigen-Thema Kinderkram? „Keineswegs“, erklärt uns Sarah, die mit den bunten Windvögeln in allen Größen, Farben und Formen in Schöneberg aufgewachsen ist; „Der Drache befreit den Geist. Er ist ein emotionales lebendiges Spielzeug oder kann auch beruhigend und kontemplativ genutzt werden. Und nicht nur Kinder, die dafür jegliche Computerspiele links liegen lassen, haben ziemlich großen Bock darauf. Es gibt zum Beispiel auch erstaunlich viele ältere Herren, die sich einen schönen Einleiner zulegen. Viele unserer Kunden nehmen das Drachenthema aber ziemlich trend-sportlich und befassen sich mit den Techniken und Bauarten.“

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Was macht die Qualität aus? Welche Materialien gibt es? Und was ist ein Ein-Leiner? …
Alle Fragen werden sofort und geduldig beantwortet, denn im Flying Colors wird die Fachberatung großgeschrieben. Die macht ja schließlich, trotz steigender Konkurrenz im Internet auch den 35-jährigen Erfolg des Ladens aus. Mit seinem Konzept „Drachen, Jonglerie, (sportliche) Freizeitartikel und Spielzeug“ genießt er in Berlin quasi immer noch ein Alleinstellungsmerkmal. „Oft kommen die Leute enttäuscht mit Drachen, die sie in den gängigen Handelsketten gekauft haben. Die gehen schnell kaputt. Die Qualitätsmerkmale eines Drachens aber sind, er muss leicht gebaut sein und genäht sein. Die mit Folie reißen schnell“, so die „Drachenhüter-Tochter“.

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Das beste Material sei das Spinnaker Nylon. Der hängt als Laufender Meter mit einem großen Farbspektrum in einer Extraecke und sei auch bei Leuten aus der Mode- und Textil-Branche für Jacken, Röcke oder Taschen hier sehr gefragt. „Der Ein-Leiner ist unser meist verkaufter Klassiker. Bei ihm hängt der Drache nur an einer Schnur, ist nicht lenkbar und wird allein vom Wind gesteuert. Das Tanzen im Element lieben ganz kleine Kinder oder eben die besonders Lebenserfahrenen. Wohingegen der Stablenk-Drachen an 2 Schnüren hängt und nach rechts und links lenkbar ist.“ Das hört sich schon sportlicher an und gilt als Motivationsvorstufe zu den Lenkmatten oder auch Kites genannt, die mit 2 (zum Lenken), 3 (zum Ausbremsen) oder 4 (der Möglichkeit sich selbst mit den Windkräften fortzubewegen) Schnüren bedient wird. Letzteres könne man auch mit Skateboards, Inline-Skates oder Fahrädern nur auf dem Tempelhofer Feld einsetzen (Die Bretter fürs Kitesurfen auf dem Wasser kann man theoretisch auch im Flying Colors bestellen, aber hierfür seien Surfläden die besseren Berater). Der Teufelsberg als Kiter-Ort war auch mal ein Versuch, aber ist letztendlich zu klein. Sonst bliebe nur die Fahrt an die Ostsee oder einen netten Bauern in Brandenburg zu fragen, ob man über sein Feld brausen dürfe …
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Nico kann Kendama – Gerschicklichkeitsspiel aus Japan Fotos: Sademann

Außer Drachen werden im Flying Colors – eine echte kunterbunte Parallelwelt, die so manchen zum stundenlangen Stöbern verleitet – auch Sport- und Freizeitartikel wie Bumerangs oder Frisbee-Scheiben und eben auch alles zum Jonglieren wie Diabolos, Keulen und Bälle angeboten. Hier decken sich Zirkusleute oder Schulen ein. Spannend, ästhetisch ein Hingucker und unser „Lieblings-Spielzeug“ ist das Kendama – ein Geschicklichkeitsspiel aus Japan, in dem man einen Ball in eine „Mulde am Stab“ jonglieren muss. Das Holzspiel besteht aus einer Kugel (tama), die ein Loch (ana) hat und durch einen Faden (ito) mit dem Griff, auch Schwert (ken) genannt, verbunden ist. Mitarbeiter Nico kann´s richtig gut und zeigt´s auch gerne. Dass ein Yoyo nicht einfach ein Yoyo ist, lernt man nach Anmeldung jeden Donnerstag von 16-17 Uhr. Die Workshops werden vom deutschen Yoyo -Meister Dario Krawowski himself gegeben.

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Sarah Bösche übernimmt das Flying Colors in der Flugschneise des Vaters im kommenden Jahr. Und: es ist ein kleiner Mensch unterwegs. Der wird, wie Sarah, garantiert das Drachenblut und die Begeisterung für diese bunten, sympathischen Nylonluftvögel schon in der Muttermilch einsaugen. Drachengeneration die Dritte!

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Adresse:
Flying Colors
Drachen, Jonglieren und Freizeitartikel GMBH
Eisenacher Straße 81 in Schöneberg
Mo – Fr. 11.00 – 19.00 Uhr, Sa. 11:00 – 17:00 Uhr

http://www.flying-colors.de

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Save the Date – Zwei anstehende Drachenfeste im Oktober

Das schönste für die Drachen Community sind die Feste. Davon gibt es 5-6 große und bekannte im Jahr und in jedem Brandenburger Dorf gibt es kleine. Früher, in der ersten groooossen Drachen-Ära, in der Sarahs Vater Michael Steltzer noch sehr aktiv war, waren Drachenfeste mehr Wettbewerbs-orientiert. Dadurch sei er viel in der Welt herumgekommen (Die internationale Lenkdrachenteams tourten durch Italien, Frankreich und Großbritannien). Das größte ist das Festival der Riesendrachen, die sind aus Asien oder werden von den Freaks selbstgebaut mit Kosten um die 10.000 €! Einmal im Jahr (Anfang September) organisiert das Flying Color Team ein eigenes Drachenfest (mit toll designten Plakaten). Die Drachensaison geht noch bis Ende November.

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Wenn der Wind und Wetter (ohne Regen) – Gott dann will:
Familiendrachenfest der HoWoG e am
3. Oktober, 2019 11.00 bis 16.00 Uhr
mit Rahmenprogramm für Kinder und Familien

Wo: am Hechtgraben / Hagenower Ring in Wartenberg-Berlin / Eintritt frei

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One Sky One World am 13. Oktober 2019

An Hunderten Orten auf der ganzen Welt steigen bereits seit vielen Jahren am zweiten Sonntag im Oktober die „Drachen als Symbol für den Frieden in die Lüfte! Der Drache wird zum multikulturellen Symbol!

Wo: Auf dem Tempelhofer Feld -Motto Drachen steigen lassen – für den Frieden. Der genaue Treffpunk steht auf der Website.

Mehr Infos zu One Sky One World findet ihr hier!

http://www.oneskyoneworld.org/

Text und Fotos: Anke Sademann

Tempelhofer Feld Sademann

Tempelhofer Feld Foto: Sademann

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