Ein Ort an dem sich die Natur ihr Terrain zurückerobert hat, ist der Industriemuseumspark Rüdersdorf. Ein Besuch lohnt sich und ist eine Zeitreise in eines der bedeutendsten Industriedenkmälern Deutschlands. Sein renaturiertes architektonisches Ensemble ist in dieser Form einzigartig. Seit 1254 – sprich seit über 750 Jahr wurde hier hochtechnologisch bis zu 240 Millionen Jahre alter „triassischer Muschelkalk“ (Kalkstein) abgebaut. Der Rüdesheimer Kalksteinbruch gehört zu den größten Kalksteinabbaugebieten Mitteleuropas. Wandert man zwischen seinen verlassenen Baustofffabriken mit Blick hinab zur staubigen Abtragungsstätte, in der Werkstein, Branntkalk und Zement verarbeitet und abtransportiert wurde, fühlt man sich wie auf einem anderen Planeten. Um den Transport des Kalksteins zu vereinfachen, wurde um 1800 in Rüdersdorf ein Kanalsystem gelegt, das die Kalksteinbrüche mit den natürlichen Wasserstraßen verband. Der Steinbruch wurde somit schiffbar gemacht und der Transport des Kalk-steins erleichtert. Bis 2062 soll der Tagebau noch in Betrieb bleiben. Die Verarbeitung findet aber vor Ort nicht mehr statt. Viele Berliner wissen gar nicht, dass der Rüdersdorfer Kalkstein das architektonische Gesicht Berlins maßgeblich geprägt hat. Beispielsweise wurde das Brandenburger Tor, der Berliner Dom, die Lindenoper, das Schauspielhaus und das Olympiastadion mi ihm gebaut.

Rumfordofen mit seiner Zirkelbogenbrücke  im Rüdersheimer Museumspark

Rumfordofen mit seiner Zirkelbogenbrücke im Rüdersheimer Museumspark

 

Schachtofenbatterie

Schachtofenbatterie

Ruedersdorfer Museumspark

Ruedersdorfer Museumspark

Ruedersdorfer Museumspark

Vor 20 Jahren wurde hier auf 17 Hektar ein Museums- und Landschaftspark eröffnet, der an die umliegenden Kanäle und Seen angrenzt und per Kanu, E-Bike, Bollerwagen, Tret-Go-Karts für 4 Personen oder mit Safarifeeling mit dem LandRover erkundet werden kann. Zwischen Ziegelbrennöfen, Schachtofenbatterie oder Seilscheibenpfeile umherzustreifen weckt Kindheitsabenteuergefühle. Am besten beginnt man seine Runde mit Übersichtsplan auf dem Kastanienweg mit Sicht auf die Tagbaubruchkante. Der alte Hafen am Mühlenfliess ist heute ein Karpfenteich und im Kranpark stehen noch die Esel des Kleintierzoos. Infotafeln erklären die ehemaligen Funktionen der Industrieriesen. Das Parkmuseum „Torell – Haus“ mit dem „Jubitz-Stein-Erlebnisplatz“ ergänzt mit Historie und Geologie. Das absolute Highlight ist die surrealistisch anmutende Schachtofenbatterie -auch Kathedrale des Kalkes genannt-, die mit den 18 Rüdersdorfer Öfen eine beeindruckende Industrieästhetik vermittelt. Bis in die 70er Jahre waren die hochgewachsenen Steinkollegen sogar noch aktiv. Die gesamte Anlage ist begehbar. Wer nicht nur Stimmung aufschnappen möchte, sondern mehr Details über die individuelle Hochzeit der Anlage erfahren möchte, sollte sich unbedingt eine historische Führung gönnen.

Ruedersdorfer Museumspark

Ruedersdorfer Museumspark

Und noch ein Superlativ: Der Germanischer Kalkofen, der sich recht unauffällig am Wegesrand befindet, ist 2000 Jahre alt (70 v. Chr.) und zählt zu den ältesten Steindenkmälern. Der Kalk wurde in Erdgruben mit Holz zu Branntkalk verarbeitet: Damals wurden die Holz-Lehm-Häuser noch mit Kalk verputzt. Und diese Hochofen-Kulisse scheint auch Emotionen hochzukochen. So kann man sich im Museumspark standesamtlich da Ja-Wort geben und zahlreiche Paar lasen sich hier trauen. . Das Kulturhaus ist für festliche Anlässe mietbar oder es gibt Rüdersdorfer Kultur wie beispielsweise die alljährliche Halloweenparty. Die ist legendär und findet dieses Jahr am 30.Oktober statt. Das Raunen und Staunen ob der Größe des Parks und das Sich permanent weggebeamt Fühlen macht hungrig und durstig.

Ruedersdorfer Museumspark

Ruedersdorfer Museumspark

Gastrotipp:

Das Café im Magazingebäude (mit laufenden Ausstellungen) am Parkeingang wird nach dem Motto „einfach aber wertvoll“ betrieben. Mediterran-vegane Kleinigkeiten ergänzen wechselnde Tagesgerichte. Beim Bergmannfrühstück mit bestem Backwerk, Seranoschinken und ausgewähltem Käse genießt man bei Schönwetter den freien Blick auf den Rumfordofen mit seiner Zirkelbogenbrücke. Dass ein Museumsparkcafé auch zeitgemäß ist, beweist der vegane Bohnen-Burger mit Datteln und feinen Veggi-Pasten mit Kräutern aus dem Museums-Garten. (Nicht nur) Paaren, die hier in Scharen Hochzeit feiern, seien die süßen Petit-Fours und Eclairs (Liebesknochen mit Maracuja Füllung nach einer Patisserie Weltmeister Rezeptur) als süßer Abgang empfohlen. Weiteres kulinarisches Highlight: die Heinitz-Forelle.

Eclaire_Liebesknochen_© Cafe im Magazingebaeude_Ruedersdorf

Der Park ist ganzjährig geöffnet und zu jeder Jahreszeit ist das Gefühl eine Zeitreise anzutreten inklusive. Reservierung: Tel. (0176) 45831757.

Alle Infos:

www.ruedersdorf-kultur.de

Telefon: 033638 -799797

Parkadresse: Heinitzstraße 41

Apr.-Okt. Tgl. 10-18 Uhr

Nov.-März 10:30 -16 Uhr (montags geschlossen)

Der Eintritt 5 € / 3 €

Anmeldungen zu den geologischen, historischen Führungen oder Landrover Touren: Tel. 033638-799797

Anfahrt: Gut erreichbar ist der Park mit der S3 Friedrichshagen und der Überlandstraßenbahn Tram 88 Rüdersdorf / Heinitzstrasse mit einer schönen Strecke durch den Wald.

Text und Fotos: Anke Sademann, Liebesknochen Café im Magazingebäude

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