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Die meisten Menschen spüren es, zum Beispiel in sakralen Bauten, wenn sie zum ersten Mal ein Haus oder eine Wohnung betreten oder wenn sie plötzlich besser schlafen, wenn sie ihr Bett an eine andere Stelle rücken: Orte haben eine Wirkung auf sie, die sie schwer zuordnen können, von der viele aber trotzdem annehmen, dass sie Auswirkungen auf ihre physisches und psychisches Wohlbefinden und vielleicht sogar auf ihr Schicksal hat. Doch was steckt wirklich dahinter und wie real ist das alles?

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Dr. Roberta Rio nähert sich der Antwort auf diese Frage mit dem wissenschaftlichen Fachgebiet an, auf das sie sich spezialisiert hat: als Historikerin. Im Auftrag ihrer Kunden, Privatpersonen oder etwa Tourismusbetrieben und Kommunen, recherchiert sie mit kriminalistischem Spürsinn in alten Archiven oder etwa durch Befragung der Bevölkerung die Geschichte von Orten. Dabei erkennt sie Muster, die sich wiederholen, oder identifiziert historische Ereignisse, die im Geist des Ortes“ Spuren hinterlassen haben könnten und die so vielleicht in die Gegenwart herauf wirken.

Historische Recherchen mit kriminalistischer Akribie

In ihrem Buch Der Topophilia-Effekt Wie Orte auf uns wirken erzählt die deutsch-österreichisch-italienische Wissenschaftlerin, die ihre Methode zum ersten Mal 2011 an der Universität von Glasgow präsentierte, von faszinierenden Fällen. Etwa davon, wie sie entdeckte, dass das Haus eines schwer kranken Mannes auf einem Grund stand, wo vor hunderten Jahren ein Friedhof war und wie er gesund wurde, als er wegzog. Oder von einem Mann, der jahrelang an undefinierbaren Schmerzen litt, und in dessen Wohnung zwei Generationen lang eine Zahnarztpraxis war, mit dem Operationstisch genau an der Stelle seines Bettes. Oder von einem Bauernhof mit Gastwirtschaft, der wegen des Fällens einer einzigen mächtigen Ulme, die den „Geist des Ortesoffenbar im Gleichgewicht hielt, in wirtschaftliche Schieflage geriet.

Das Wissen unserer Ahnen über die Wirkung von Orten

Für Der Topophilia-Effekt fasste Roberta Rio zudem ihr Wissen aus alten Büchern und neuen Dokumentationen darüber zusammen, wie unsere Vorfahren mit dem Geist des Ortes“ umgingen. So etwa ließen Sumerer erst Schafe auf einem Ort weiden und untersuchten ihre Lebern nach Entzündungen, ehe sie ihn besiedelten. Die alten Römer, die den Begriff „Genius Loci“ (Geist des Ortes) prägten, leiteten negative Energien von Orten mit spitzen Steinen ab und waren sicher, dass der Geist von Orten Menschen sowohl zu ihrem Vorteil als auch zu ihrem Nachteil verändern kann. Der antike griechische Wanderarzt Hippokrates von Kos empfahl bei chronischen Beschwerden einen Ortswechsel.

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copyright: Lukas Beck

Ebenso erzählt die Autorin unter anderem, dass die mittelalterlichen Baumeister klösterliche Wandelgänge immer dort bauten, wo die Bodenenergie besonders inspirierend war, dass sie genau wussten, an welche Stelle sie Altäre und Totenstein setzen mussten, und was das Volkswissen über die Wirkung von Orten besagt: Etwa, dass das Kopfende des Bettes nach Osten ausgereichtet sein sollte, dass Menschen Orte, an denen sich Katzen, Ameisen oder Schlangen wohlfühlen meiden und solche, an denen sich Hunde oder Ziegen wohlfühlen suchen sollten, und dass Bäume mit zweistämmigem Wuchs auf unterirdische Wasseradern hindeuten. Nicht zuletzt gibt die Historikerin ihren Lesern Anleitungen, wie sie selbst die Geschichte ihrer Orte recherchieren und welche Schlussfolgerungen sie daraus ziehen können. 

Die Autorin

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copyright: Lukas Beck

Dr. Roberta Rio ist als promovierte Historikerin Gastprofessorin unter anderem an den Universitäten von Bologna, Wien und Berlin. Sie verfasste zahlreiche wissenschaftliche Artikel und Bücher. Die gebürtige Italienerin lebt in Villach (Kärnten) und in Bayern. Die historisch-intuitive Methode, mit der sie die Wirkung von Orten auf Menschen erforscht, präsentierte sie zum ersten Mal 2011 bei einem Vortrag der Universität von Glasgow (Schottland).

Wir verlosen dieses tolle Buch unter allen Leserinnen und Lesern die uns bis zum 16. Oktober 2020 eine Mail an info@berlinfaces.de oder eine PM auf Facebook schicken.

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Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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