In der 93. Sonderausstellung des Keramik-Museums Berlin steht wieder einmal die Töpferstadt Bürgel im Fokus des Keramik-Museums Berlin.
Seit etwa Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte sich der zwischen Jena und Eisenberg gelegene Ort zu einem bedeutenden Töpferzentrum in Thüringen. Lange Zeit standen alltägliche Gebrauchsgefäße wie Krüge, Kannen, Kuchenformen und Vorratsbehälter ganz oben auf der Produktpalette der Bürgeler Töpfereien.
Neben einfacher Irdenware wurde das hochgebrannte Steinzeug mit der sogenannten „Blauen Schürze“ zum Markenzeichen der Bürgeler Keramik.
Mit öffentlicher Förderung wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert Manufakturen gegründet, um mit der Herstellung von so genannter Kunstkeramik neue Märkte zu erschließen und somit einem Niedergang der handwerklichen Töpfereien entgegenzutreten.
Die Tonwarenfabrik von Carl Albert Schack (1842-1891), der 1877 eine erste eigene Werkstatt einrichtete, zählt zu den frühen Betrieben in Bürgel, die sich der Produktion aufwendig dekorierter Zierkeramik widmete.
Die im ausgehenden 19. Jahrhundert vom Historismus geprägte Formensprache erfuhr durch den Einfluss der Kunstgewerbeschule Weimar mit ihrem Leiter Henry van de Velde um 1905 eine zeitgemäße Erneuerung.
Mit Entwürfen van de Veldes und seiner Schüler sowie in Anlehnung an deren Formen und die Adaption modernerer Dekore und Glasuren entwickelte sich Bürgel aus keramischer Sicht recht schnell zu einem der Zentren des deutschen Jugendstils. Hier zählt die Schack’sche Tonwarenfabrik zu den herausragenden Werkstätten, die sich in ihren Produkten recht erfolgreich dem Zeitgeschmack anpasste und sich in den Zwanzigerjahren auch internationale Märkte erschloss.
Der älteste Sohn des Firmengründers Karl Otto Hermann Schack (1871-1941) übernahm nach dem Tod seines Vaters 1891 die Geschäftsführung und lenkte fortan bis zu seinem eigenen Tod die Geschicke des Betriebes durch die geschichtsträchtige Zeit.
Das Keramikmuseum Bürgel, mit dem unser Museum schon mehrfach zusammenarbeitete, stellte 2013 in seiner Ausstellungsreihe „Töpferspuren in Bürgel“ die Tonwarenfabrik C.A. Schack erstmalig vor und konnte mit einer kleinen Begleitpublikation neueste Forschungsergebnisse darlegen.
Einer der eifrigsten Forscher zu diesem Betrieb, der über mehrere Generationen bis zur Enteignung 1951 in Familienbesitz war, ist Herr Stephan Schack, der heute 53 jährige Urur-Enkel des Firmengründers. Es ist keine zehn Jahre her, dass in ihm das Interesse wuchs, sich intensiver mit der Schack’schen Firmengeschichte auseinanderzusetzen und diese akribisch aufzuarbeiten. Zu dem Sammeln von Daten und Fakten gesellte sich unvermeidlich auch der Erwerb zahlreicher dieser attraktiven Gefäße. So stammen auch unsere Exponate im Wesentlichen aus seiner Sammlung.
Bedeutende Ergänzungen unserer Ausstellung erfahren wir durch Leihgaben aus der Berliner Sammlung Winfried Winnicke, dem Keramikmuseum Bürgel sowie weiteren privaten Leihgebern, denen wir allesamt sehr herzlich für Ihre Unterstützung und ihr Vertrauen danken.

Museums-Kategorie: Architektur, Kunstgewerbe, Design
Öffnungszeiten sind die offiziellen Öffnungszeiten des Museums.
Preise: ermäßigt 2,00 €, Ermäßigt-Info: Kinder bis 14 Jahre in Begleitung Erwachsener frei , normal 4,00 €, Normal-Info: Jeder letzte Montag im Monat: Eintritt frei

Wo: Keramik-Museum Berlin

Adresse: Schusteruhstr. 13, 10585 Berlin (Charlottenburg-Wilmersdorf)

Preise: ermäßigt 2,00 €, Ermäßigt-Info: Kinder bis 14 Jahre in Begleitung Erwachsener frei , normal 4,00 €,

Jeder letzte Montag im Monat: Eintritt frei

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